Immobilienmakler müssen nicht erst sicher wissen, dass Geldwäsche vorliegt, bevor eine Meldepflicht entstehen kann. § 43 GwG knüpft bereits an Tatsachen an, die auf einen meldepflichtigen Sachverhalt hindeuten. Ein strafrechtlicher Anfangsverdacht ist dafür nicht erforderlich. Die gemeinsamen Auslegungs- und Anwendungshinweise für den Nichtfinanzsektor weisen darauf ausdrücklich hin.
Liegt ein meldepflichtiger Sachverhalt vor, muss die Verdachtsmeldung nach dem GwG unverzüglich an die Financial Intelligence Unit übermittelt werden.
Für Immobilienmakler besteht dabei eine klare Prozesskette:
- Auffälligkeit erkennen
- Sachverhalt bewerten
- Meldepflicht prüfen
- Meldung über goAML abgeben
- Durchführungsverbot beachten
- Kunden nicht über die Meldung informieren
- Vorgang dokumentieren.
Dabei gibt es weder einen Mindestkaufpreis noch eine Bagatellgrenze. Die Meldepflicht des § 43 Abs. 1 GwG besteht unabhängig vom Wert des Vermögensgegenstandes oder der Transaktionshöhe.
Das Wichtigste zur Verdachtsmeldung im Überblick
- Rechtsgrundlage der Meldepflicht ist § 43 GwG.
- Immobilienmakler gehören zu den Verpflichteten des GwG.
- Ein strafrechtlicher Anfangsverdacht ist nicht erforderlich.
- Die Meldepflicht hängt nicht von der Höhe des Immobiliengeschäfts ab.
- Meldungen gehen an die Financial Intelligence Unit, kurz FIU.
- Die Meldung erfolgt grundsätzlich elektronisch über goAML.
- Immobilienmakler müssen bei goAML registriert sein, auch wenn bislang keine Verdachtsmeldung abgegeben wurde.
- Seit 1. März 2026 konkretisiert zusätzlich die GwG-Meldeverordnung Form und Mindestinhalt der Meldung.
- Nach einer Meldung kann das Durchführungsverbot des § 46 GwG greifen.
- Der Kunde darf grundsätzlich nicht über eine beabsichtigte oder abgegebene Verdachtsmeldung informiert werden.
- Die Entscheidung und die zugrunde liegenden Tatsachen sollten nachvollziehbar dokumentiert werden.
- Die GwGMeldV-Immobilien darf nicht mit der allgemeinen GwG-Meldeverordnung verwechselt werden: Ihre typisierten Immobilienmeldefälle richten sich nicht an Immobilienmakler.
Inhalt dieser Seite:
Wann müssen Immobilienmakler eine Verdachtsmeldung abgeben?
Die Erklärung finden wir in § 43 Abs. 1 GwG.
Danach muss ein Verpflichteter einen Sachverhalt unverzüglich an die FIU melden, wenn Tatsachen vorliegen, die auf einen der dort genannten Meldegründe hindeuten.
Das gilt ausdrücklich auch für Vermögensgegenstände, die mit einem Maklergeschäft im Zusammenhang stehen. Die Meldepflicht besteht unabhängig vom Wert des betroffenen Vermögensgegenstandes oder der Transaktionshöhe.
Eine ausführliche Definition und Abgrenzung findet man unter Verdachtsmeldung nach § 43 GwG.
Wichtig für die Praxis: Eine Verdachtsmeldung ist kein Instrument, das erst eingesetzt wird, wenn der Makler eine Straftat beweisen kann. Immobilienmakler sollen verdächtige Tatsachen erkennen und melden. Die weitergehende Analyse des gemeldeten Sachverhalts gehört zu den Aufgaben der FIU.
Welche drei Meldegründe nennt § 43 GwG?
§ 43 Abs. 1 GwG nennt drei konkrete Konstellationen.
Erstens kann die Meldepflicht entstehen, wenn Tatsachen darauf hindeuten, dass ein Vermögensgegenstand, der mit der Geschäftsbeziehung, einem Maklergeschäft oder einer Transaktion zusammenhängt, aus einer strafbaren Handlung stammt, die eine Vortat der Geldwäsche darstellen könnte.
Zweitens besteht eine Meldepflicht, wenn Tatsachen darauf hindeuten, dass ein Geschäftsvorfall, eine Transaktion oder ein Vermögensgegenstand mit Terrorismusfinanzierung zusammenhängt.
Drittens kann die Meldepflicht entstehen, wenn der Vertragspartner seiner Verpflichtung nicht nachkommt, offenzulegen, ob er für einen wirtschaftlich Berechtigten handelt.
Gerade die dritte Variante zeigt, wie eng Verdachtsmeldung und die Ermittlung des wirtschaftlich Berechtigten miteinander verbunden sein können.
Das gemeinsame Ländermerkblatt fasst dieselben drei Meldeauslöser für Immobilienmakler und andere Nichtfinanzunternehmen zusammen.
Wie hoch ist die Schwelle für einen Verdacht?
Ein häufiges Missverständnis lautet: „Ich kann doch erst melden, wenn ich weiß, dass wirklich Geldwäsche vorliegt.“
Das ist nicht der Maßstab des § 43 GwG.
Erforderlich sind Tatsachen, die auf einen meldepflichtigen Sachverhalt hindeuten. Nach den Auslegungs- und Anwendungshinweisen für den Nichtfinanzsektor ist insbesondere kein strafrechtlicher Anfangsverdacht erforderlich. Auch objektive Auffälligkeiten oder Unstimmigkeiten im Verhalten eines Vertragspartners können relevant sein.
Das bedeutet gleichzeitig nicht, dass jede ungewöhnliche Eigenschaft eines Kunden automatisch eine Verdachtsmeldung auslöst.
Eine Auffälligkeit muss zunächst sachlich eingeordnet werden. Entscheidend ist, welche konkreten Tatsachen vorliegen und ob diese in ihrer Gesamtbetrachtung auf einen Sachverhalt nach § 43 Abs. 1 GwG hindeuten.
Es geht damit weder darum, jeden ungewöhnlichen Kunden vorsorglich zu melden, noch darum, einen möglichen Geldwäschefall selbst vollständig zu ermitteln.
Welche Warnsignale können bei Immobiliengeschäften auftreten?
Im Immobiliengeschäft können sehr unterschiedliche Auffälligkeiten auftreten.
Dazu können beispielsweise schwer nachvollziehbare Eigentums- oder Beteiligungsstrukturen, widersprüchliche Angaben, ungewöhnliche Stellvertretungskonstruktionen, nicht nachvollziehbare Zahlungen durch Dritte oder ein auffälliges Missverhältnis zwischen bekannten wirtschaftlichen Verhältnissen und einem Immobiliengeschäft gehören.
Auch der Einsatz einer Briefkastenfirma kann in Verbindung mit weiteren Umständen ein relevantes Warnsignal sein.
Dasselbe gilt für Konstellationen, bei denen möglicherweise ein Strohmann eingesetzt wird, um den tatsächlich handelnden oder wirtschaftlich begünstigten Beteiligten zu verschleiern.
Weitere typische Methoden können Verschleierungshandlungen oder aufgeteilte Transaktionen im Sinne des Smurfing sein.
Wichtig ist dabei die Abgrenzung: Solche Begriffe oder Merkmale sind zunächst Warnsignale beziehungsweise Typologien. Sie sind nicht automatisch mit einer Meldepflicht gleichzusetzen. Entscheidend bleibt die Prüfung der konkreten Tatsachen nach § 43 GwG.
Die FIU stellt registrierten Verpflichteten zusätzliche Informationen und Typologiepapiere zur Verfügung, darunter auch Erkenntnisse für den Immobiliensektor. Das gemeinsame Ländermerkblatt weist Immobilienmakler ausdrücklich auf diese Informationsangebote hin.
Was ist die FIU?
Die Financial Intelligence Unit ist die deutsche Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen.
Sie nimmt Verdachtsmeldungen entgegen, sammelt und analysiert relevante Informationen und übermittelt Sachverhalte bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden.
Für Immobilienmakler ist die Financial Intelligence Unit – FIU deshalb die zentrale Stelle für Verdachtsmeldungen nach § 43 GwG.
Wichtig ist die Rollenverteilung:
Der Immobilienmakler meldet die Tatsachen, die einen Verdacht begründen. Die FIU analysiert den gemeldeten Sachverhalt. Der Makler muss deshalb nicht selbst beweisen, aus welcher konkreten Straftat ein Vermögensgegenstand stammt.
Was ist goAML und müssen Immobilienmakler registriert sein?
goAML Web ist das elektronische Meldeportal der FIU.
§ 45 Abs. 1 GwG schreibt vor, dass Meldungen grundsätzlich elektronisch erfolgen. Verpflichtete nach § 2 Abs. 1 GwG müssen sich außerdem unabhängig davon, ob sie bereits eine Verdachtsmeldung abgeben mussten, elektronisch bei der FIU registrieren.
Damit betrifft die Registrierungspflicht auch Immobilienmakler.
Das goAML-Meldeportal sollte daher bereits eingerichtet sein, bevor der erste Verdachtsfall auftritt.
Die FIU bestätigt auf ihrem aktuellen goAML-Portal, dass für die Nutzung zunächst eine elektronische Registrierung erforderlich ist. Seit September 2025 verwendet das Portal zudem eine Zwei-Faktor-Authentisierung.
Die Registrierung erst dann anzustoßen, wenn ein meldepflichtiger Sachverhalt bereits vorliegt, ist deshalb organisatorisch keine gute Lösung.
Wie wird eine Verdachtsmeldung über goAML abgegeben?
Die Verdachtsmeldung wird grundsätzlich elektronisch über das von der FIU vorgesehene Verfahren übermittelt.
Dabei reicht es nicht aus, lediglich Dokumente hochzuladen und die eigentliche Sachverhaltsdarstellung offen zu lassen. Die Meldung muss insbesondere nachvollziehbar darstellen, welche konkreten Tatsachen die Meldepflicht auslösen.
Die aktuell geltende GwG-Meldeverordnung verlangt ausdrücklich eine Sachverhaltsdarstellung, in der die Tatsachen beschrieben werden, aus denen sich die Meldepflicht ergibt. Hinzu kommen je nach Fall Angaben zu Vertragspartnern, auftretenden Personen, wirtschaftlich Berechtigten, Geschäftsbeziehung und weitere vorhandene Informationen.
Bei der Meldung sollte deshalb klar und sachlich beschrieben werden:
- Was ist passiert?
- Welche Personen beziehungsweise Unternehmen sind beteiligt?
- Welche Angaben oder Unterlagen liegen vor?
- Was ist konkret auffällig?
- Wann wurde die Auffälligkeit bekannt?
- Warum deutet sie auf einen der Meldegründe des § 43 Abs. 1 GwG hin?
Eine allgemeine Aussage wie „Der Kunde wirkt verdächtig“ ersetzt keine nachvollziehbare Sachverhaltsdarstellung.
Was gilt seit März 2026 durch die GwG-Meldeverordnung?
Seit dem 1. März 2026 gilt die neue GwG-Meldeverordnung. Sie konkretisiert die Form und die erforderlichen Angaben für Meldungen nach § 43 Abs. 1 GwG und gilt damit auch für Verdachtsmeldungen von Immobilienmaklern.
Danach ist das von der FIU vorgesehene elektronische Datenverarbeitungsverfahren zu verwenden. Angaben müssen über die vorgesehenen Felder beziehungsweise im zulässigen Format übermittelt werden. Anlagen sollen in geeigneter elektronisch auswertbarer und durchsuchbarer Form beigefügt werden.
Die Verordnung legt außerdem Mindestinhalte fest.
Dazu gehören unter anderem das eigene Bezugskennzeichen der Meldung, der Meldegrund, eine nachvollziehbare Sachverhaltsdarstellung und die für den Sachverhalt vorhandenen relevanten Informationen.
Für Makler bedeutet das praktisch: Eine Verdachtsmeldung sollte nicht nur rechtzeitig, sondern auch in Form korrekt und inhaltlich ausreichend abgegeben werden.
Wie sollte der Ablauf im Maklerunternehmen organisiert sein?
Ein Verdachtsfall sollte nicht zum ersten Mal organisatorisch durchdacht werden, wenn ein Notartermin unmittelbar bevorsteht.
Im Maklerunternehmen sollte vorher feststehen:
- Wer nimmt Auffälligkeiten von Mitarbeitern entgegen?
- Wer bewertet den Sachverhalt intern?
- Wer hat Zugriff auf goAML?
- Wer übernimmt die Meldungsabgabe?
- Wie wird das Durchführungsverbot berücksichtigt?
- Wie wird verhindert, dass der Kunde unzulässig informiert wird?
- Wo werden die Entscheidung und die zugrunde liegenden Informationen dokumentiert?
Diese Abläufe gehören zu den internen organisatorischen Maßnahmen des Unternehmens und sollten mit dem Risikomanagement nach dem GwG abgestimmt sein. Der Ablauf zu verstärkten Sorgfaltspflichten muss bekannt sein.
Mitarbeiter müssen außerdem erkennen können, wann eine Auffälligkeit intern weitergegeben werden muss. Die GwG-Schulung für Immobilienmakler kann deshalb auch den praktischen Umgang mit Verdachtsfällen und Eskalationswegen behandeln.
Was passiert nach Abgabe der Verdachtsmeldung?
Mit dem Absenden der Verdachtsmeldung ist der Vorgang für den Makler nicht automatisch abgeschlossen.
Je nach Sachverhalt muss insbesondere § 46 GwG berücksichtigt werden.
Eine Transaktion, wegen der eine Meldung nach § 43 Abs. 1 GwG erfolgt ist, darf grundsätzlich frühestens durchgeführt werden, wenn die FIU oder die Staatsanwaltschaft zugestimmt hat oder der dritte Werktag nach dem Abgangstag der Meldung verstrichen ist, ohne dass die Durchführung untersagt wurde. Samstage gelten für diese Frist ausdrücklich nicht als Werktag.
Außerdem dürfen Informationen über eine beabsichtigte oder abgegebene Meldung grundsätzlich nicht an den Vertragspartner oder sonstige Dritte weitergegeben werden.
Damit entstehen nach der Meldung zwei sensible Themen:
Durchführungsverbot nach § 46 GwG und das Informationsweitergabeverbot nach § 47 GwG.
Was bedeutet das Durchführungsverbot nach § 46 GwG?
Eine gemeldete Transaktion darf nicht einfach unverändert fortgesetzt werden.
Nach § 46 Abs. 1 GwG darf sie grundsätzlich frühestens durchgeführt werden, wenn entweder eine Zustimmung der FIU oder der Staatsanwaltschaft vorliegt oder der dritte Werktag nach dem Abgangstag der Meldung abgelaufen ist, ohne dass die Durchführung untersagt wurde.
Eine Ausnahme enthält § 46 Abs. 2 GwG für Fälle, in denen ein Aufschub nicht möglich wäre oder die Verfolgung einer mutmaßlichen Straftat behindern könnte. In einem solchen Fall ist die Meldung unverzüglich nachzuholen.
Für Immobilienmakler ist gerade bei bevorstehenden Vertragsabschlüssen wichtig, dass dieser Prozess intern bekannt ist.
Die genaue Funktionsweise erläutert unsere Seite zum Durchführungsverbot nach dem GwG.
Darf der Kunde über die Verdachtsmeldung informiert werden?
Grundsätzlich nein.
§ 47 Abs. 1 GwG verbietet es einem Verpflichteten insbesondere, Vertragspartner, Auftraggeber der Transaktion oder sonstige Dritte über eine beabsichtigte oder bereits abgegebene Verdachtsmeldung zu informieren. Gleiches gilt für bestimmte daraus resultierende Ermittlungsverfahren und Auskunftsverlangen.
Das sogenannte Tipping-off-Verbot ist in der Maklerpraxis besonders sensibel.
Ein Kunde kann beispielsweise fragen, warum sich ein Geschäft verzögert oder warum weitere Rückfragen gestellt werden.
Dann darf der Makler nicht einfach erklären:
„Wir haben Sie bei der FIU gemeldet.“
Das Unternehmen sollte deshalb bereits vorher festlegen, wie Mitarbeiter in solchen Situationen kommunizieren.
Muss eine Verdachtsmeldung zusätzlich als Strafanzeige abgegeben werden?
Eine Verdachtsmeldung nach dem GwG und eine Strafanzeige sind nicht dasselbe.
Die Verdachtsmeldung wird an die FIU abgegeben. Eine Strafanzeige richtet sich an eine Strafverfolgungsbehörde.
§ 43 Abs. 1 GwG sieht ausdrücklich vor: Wird zusätzlich zu einem meldepflichtigen Sachverhalt eine Strafanzeige oder ein Strafantrag abgegeben, ist dies der FIU bei der Verdachtsmeldung mitzuteilen.
Das gemeinsame Merkblatt der Länder weist ebenfalls darauf hin, dass eine Verdachtsmeldung eine Strafanzeige nicht ersetzt beziehungsweise beide Verfahren voneinander zu unterscheiden sind.
Ob neben der Verdachtsmeldung eine Strafanzeige erforderlich oder sinnvoll ist, ist deshalb gesondert zu beurteilen.
Was muss dokumentiert werden?
Auch der interne Entscheidungsweg sollte nachvollziehbar bleiben.
Das gilt nicht nur, wenn tatsächlich eine Meldung abgegeben wurde.
Auch wenn ein auffälliger Sachverhalt geprüft und anschließend nachvollziehbar nicht als meldepflichtig bewertet wurde, sollte dokumentiert sein, welche Tatsachen bekannt waren und weshalb die Entscheidung getroffen wurde.
Das gemeinsame Ländermerkblatt nennt ausdrücklich Entscheidungsgründe zu Sachverhalten, die eine Verdachtsmeldepflicht auslösen könnten, als relevante Aufzeichnungen.
Für die praktische Dokumentation können die bereits vorhandenen Prozesse zur GwG-Dokumentation für Immobilienmakler genutzt beziehungsweise ergänzt werden.
Wichtig ist dabei, Tatsachen von Bewertungen zu trennen.
Nicht: „Kunde ist Geldwäscher.“
Sondern beispielsweise: „Kaufpreis soll teilweise durch eine bislang nicht am Vorgang beteiligte Gesellschaft gezahlt werden. Auf Nachfrage konnte die wirtschaftliche Verbindung zum Käufer nicht nachvollziehbar erklärt werden.“
Damit bleibt dokumentiert, worauf die Bewertung tatsächlich beruhte.
Gilt die GwGMeldV-Immobilien auch für Immobilienmakler?
Die Geldwäschegesetzmeldepflichtverordnung-Immobilien enthält zwar typisierte meldepflichtige Sachverhalte im Immobilienbereich. Ihr Anwendungsbereich erfasst aber nach § 1 ausdrücklich nur Verpflichtete nach § 2 Abs. 1 Nr. 10 und 12 GwG.
Immobilienmakler sind Verpflichtete nach § 2 Abs. 1 Nr. 14 GwG.
Die GwGMeldV-Immobilien gilt deshalb nicht unmittelbar für Immobilienmakler.
Das bedeutet allerdings nicht, dass dort genannte Auffälligkeiten für einen Makler völlig bedeutungslos wären.
Bestimmte dort beschriebene Konstellationen können auch für einen Immobilienmakler tatsächliche Warnsignale darstellen. Eine automatische Meldepflicht allein aufgrund der GwGMeldV-Immobilien lässt sich für Makler daraus aber nicht ableiten.
Davon zu unterscheiden ist die seit 1. März 2026 geltende allgemeine GwG-Meldeverordnung. Diese regelt Form und Mindestangaben von Meldungen nach § 43 Abs. 1 und gilt damit auch für Immobilienmakler.
Was passiert, wenn sich der Verdacht später nicht bestätigt?
Eine Verdachtsmeldung führt nicht automatisch dazu, dass tatsächlich eine Straftat vorliegt.
§ 48 GwG schützt Meldende grundsätzlich davor, allein wegen einer Meldung zivilrechtlich, strafrechtlich oder disziplinarrechtlich verantwortlich gemacht zu werden.
Eine Ausnahme besteht, wenn die Meldung vorsätzlich oder grob fahrlässig unwahr erstattet wurde.
Auch meldende Beschäftigte werden besonders geschützt. Nach § 49 Abs. 4 GwG darf einem Beschäftigten aus einer Verdachtsmeldung oder einer entsprechenden internen Meldung grundsätzlich kein Nachteil im Beschäftigungsverhältnis entstehen.
Der gesetzliche Ansatz ist damit klar: Verpflichtete sollen tatsächliche Verdachtsmomente melden können, ohne erst die strafrechtliche Aufklärung selbst vorwegnehmen zu müssen.
Die häufigsten Fehler bei Verdachtsmeldungen
Praktischer Ablauf im Verdachtsfall
Häufig gestellte Fragen zu Verdachtsmeldungen
Nein. § 43 GwG verlangt Tatsachen, die auf einen meldepflichtigen Sachverhalt hindeuten. Ein strafrechtlicher Anfangsverdacht ist nach den Länder-AuA nicht erforderlich.
Nein. Die Meldepflicht nach § 43 Abs. 1 besteht unabhängig vom Wert des Vermögensgegenstandes oder der Transaktionshöhe.
Ja. § 45 Abs. 1 GwG verpflichtet die Verpflichteten nach § 2 Abs. 1 unabhängig von einer konkreten Verdachtsmeldung zur elektronischen Registrierung bei der FIU. Immobilienmakler gehören dazu.
Mehr dazu unter goAML für Verpflichtete
Die Meldung geht an die Financial Intelligence Unit
Grundsätzlich nein. Das Informationsweitergabeverbot des § 47 GwG untersagt insbesondere Informationen über beabsichtigte oder erstattete Meldungen gegenüber Vertragspartnern und sonstigen Dritten.
Für eine wegen der Meldung betroffene Transaktion regelt § 46 Abs. 1 GwG grundsätzlich die Zustimmung von FIU oder Staatsanwaltschaft beziehungsweise den Ablauf des dritten Werktages nach dem Abgangstag der Meldung ohne Untersagung. Samstag zählt dabei nicht als Werktag.
Nein. Ihr Regelungsbereich erfasst Verpflichtete nach § 2 Abs. 1 Nr. 10 und 12 GwG, nicht Immobilienmakler nach Nr. 14.
Ja. Die allgemeine GwG-Meldeverordnung gilt seit dem 1. März 2026 für Meldungen nach § 43 Abs. 1 und regelt Form und erforderliche Angaben.
Verdachtsfälle im Maklerbüro organisatorisch beherrschen
Eine Verdachtsmeldung ist kein isolierter Sonderprozess.
Sie hängt unmittelbar mit Identifizierung, wirtschaftlich Berechtigten, Risikobewertung, internen Sicherungsmaßnahmen, Mitarbeiterschulung und Dokumentation zusammen.
Ein Maklerunternehmen sollte deshalb nicht nur wissen, wo der goAML-Zugang liegt. Entscheidend ist, dass Mitarbeiter Auffälligkeiten erkennen und ein festgelegter Eskalations- und Entscheidungsprozess vorhanden ist.
Wie diese organisatorischen Bausteine zusammenspielen, erläutert unser Risikomanagement nach dem GwG für Immobilienmakler.
Wenn GwG-Prozesse, Schulung, Risikoanalyse und laufende fachliche Unterstützung im Unternehmen dauerhaft zusammengeführt werden sollen, bietet GwGIMMO den GwG-Komplett-Service für Immobilienmakler.
Zum GwG-Komplettservice
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Rechtsstand 2026 und Ausblick
Dieser Leitfaden berücksichtigt den Rechtsstand September 2026.
Besonders relevant gegenüber älteren Beiträgen ist die seit dem 1. März 2026 geltende GwG-Meldeverordnung. Sie konkretisiert die formalen und inhaltlichen Anforderungen an Verdachtsmeldungen und sollte deshalb bei der Abgabe über goAML berücksichtigt werden.
Die europäische Geldwäscheverordnung (EU) 2024/1624 wird grundsätzlich ab dem 10. Juli 2027 unmittelbar anwendbar. Bis dahin sind die derzeit geltenden deutschen Vorschriften und die künftig geltenden europäischen Vorgaben sauber voneinander zu unterscheiden.
GwGIMMO aktualisiert diesen Beitrag bei für Immobilienmakler relevanten Änderungen des Verdachtsmeldeverfahrens.
Rechtsgrundlagen und Quellen
Dieser Beitrag basiert insbesondere auf:
- § 43 GwG – Meldepflicht von Verpflichteten
- § 45 GwG – Form der Meldung und Registrierungspflicht
- § 46 GwG – Durchführung von Transaktionen
- § 47 GwG – Verbot der Informationsweitergabe
- § 48 GwG – Freistellung von der Verantwortlichkeit
- § 49 GwG – Schutz meldender Beschäftigter
- GwG-Meldeverordnung, in Kraft seit 1. März 2026
- Gemeinsame Auslegungs- und Anwendungshinweise zum GwG für den Nichtfinanzsektor
- Gemeinsames Ländermerkblatt „Geldwäscheprävention – Ein Thema für mich?!“
- FIU – Hinweise zur Meldungsabgabe und Registrierung
- FIU – Handbuch goAML Web Portal
- GwGMeldV-Immobilien zur Abgrenzung ihres persönlichen Anwendungsbereichs
Rechtsstand: September 2026
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information zur Geldwäscheprävention bei Immobilienmaklern und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Über den Autor
Christian Groschopp
Gründer von GwGIMMO
ist zertifizierter Geldwäschebeauftragter (DEKRA-Personenzertifizierung). Er war sieben Jahre in der Unternehmensberatung als Geschäftsführer tätig und hat sich seit rund zwei Jahren darauf spezialisiert, Immobilienmakler zu Risikoanalyse, Schulung und Aufsichtsprüfungen nach GwG zu unterstützen. Bei GwGIMMO verantwortet er die fachliche Umsetzung des Geldwäschegesetzes für Immobilienmakler.